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Spitzwegerich
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Der Spitzwegerich (Plantago lanceolata) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Wegeriche (Plantago), die zur Familie der Wegerichgewächse (Plantaginaceae) gehÜrt.
Contents
⢠Beschreibung
⢠Vorkommen
⢠Ăkologie
⢠Taxonomie
⢠Inhaltsstoffe
⢠Zubereitungen
⢠Sonstiges
⢠Siehe auch
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Beschreibung
Vegetative Merkmale
Der Spitzwegerich ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die WuchshĂśhen von 5 bis 50 Zentimetern erreicht, manchmal bis zu 90 cm.cite-ref-2[2] Die reichverzweigte Wurzel kann bis zu 60 cm in die Tiefe reichen. Alle Laubblätter stehen aufrecht in einer grundständigen Rosette, wobei jede Pflanze normalerweise mehrere dieser Rosetten ausbildet. Die ungestielte, einfache Blattspreite ist schmal-lanzettlich und läuft an ihrem oberen Ende spitz zu. Sie ist 2â30 cm lang sowie 0,5 bis 3,5 cm breit und verschmälert sich nach unten hin allmählich. Die Blätter sind ganzrandig oder besitzen einzelstehende, flache Zähne. Sie besitzen 3 bis 5(â7) deutliche, parallele Längsnerven und sind zerstreut behaart bis fast kahl.cite-ref-flora-europea-3-0[3]cite-ref-infoflora-4-0[4]
Generative Merkmale
Die BlĂźtezeit reicht von Mai bis September. Auf einem langen, 5-furchigen, mehr oder weniger anliegend behaartem Schaft, der etwa doppelt so lang wie die Blätter ist, steht ein dichter, walzenfĂśrmiger, ähriger BlĂźtenstand mit einer Länge von 0,5 bis 5(â8) cm. Die verhältnismäĂig kleinen, unscheinbaren BlĂźten sind zwittrig. Die eifĂśrmigen Tragblätter der EinzelblĂźten sind 2,5 bis 3,5 mm lang. Sie sind kahl oder mit kurzen Haaren besetzt. Die Kelchblätter sind 2,5 bis 3 mm lang. Die BlĂźtenkrone besteht aus vier verwachsenen Kronblättern mit einer 2 bis 3 mm langen, kahlen KronrĂśhre und vier zurĂźckgebogenen, bräunlichen, 1,5 bis 2 mm langen, lanzettlichen bis eifĂśrmigen Kronzipfeln. Es sind vier, 3 bis 5 mm Ăźber die Kronblätter hinausragende Staubblätter mit weiĂlichen Staubfäden und gelblichen Staubbeuteln vorhanden.cite-ref-flora-europea-3-1[3]cite-ref-infoflora-4-1[4]
Die Frucht ist eine 3 bis 4 mm lange Deckelkapsel, die zwei ca. 2 mm lange Samen enthält.cite-ref-flora-europea-3-2[3]
Die Chromosomenzahl der Art ist 2n = 12, seltener 72.cite-ref-oberdorfer-5-0[5]
Vorkommen
Das ursprĂźngliche Verbreitungsgebiet des Spitzwegerichs ist das temperierte Eurasien und das nĂśrdliche Afrika bis Mauretanien.cite-ref-powo-6-0[6] Inzwischen ist er weltweit verbreitet. Er kommt häufig in Fettwiesen, in Parkrasen (dort vor allem in seiner mageren Ausbildungsform), an Wegen und in Ăckern vor. Nach dem Ăkologen Heinz Ellenberg ist der Spitzwegerich eine Klassencharakterart der GrĂźnland-Gesellschaften (Molinio-Arrhenatheretea). Die Ăśkologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2+w (frisch aber mäĂig wechselnd), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 3 (montan), Nährstoffzahl N = 3 (mäĂig nährstoffarm bis mäĂig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).cite-ref-infoflora-4-2[4]
In den Allgäuer Alpen steigt er am Hochtannberg in Vorarlberg bis zu 1750 m MeereshÜhe auf.cite-ref-d-rr-und-lippert-7-0[7]
Die Palynologie (Pollenanalyse) hat den gut erkennbaren Pollen bereits fßr die späte Wärmezeit nachgewiesen. Spitzwegerich-Pollen in postglazialen Sedimenten werden als Siedlungszeiger interpretiert. Die geschlossene Pollenkurve beginnt meist erst im älteren Subatlantikum.
Ăkologie
Der Spitzwegerich ist ein tief wurzelnder Hemikryptophyt. Er ist sekundär windblßtig und seine Blßten sind vorweiblich. Daneben findet auch eine Bestäubung durch pollensuchende Insekten statt. Die Samen sind weniger quellfähig als beim Breitwegerich (Plantago major). Die vegetative Vermehrung erfolgt durch Wurzelsprosse. Die Verbreitung erfolgt ßber die klebrigen Samen, die an Tierpfoten, Schuhen und Rädern haften.
Der Spitzwegerich dient einigen Schmetterlingsarten als Raupenfutterpflanze. Fßr den stark gefährdeten, oligophagen Wegerich-Scheckenfalter, den stark gefährdeten, regional monophagen Roten Scheckenfalter und den gefährdeten, oligophagen Zweibrßtigen Scheckenfalter besitzt er eine besondere Bedeutung.cite-ref-schmetterlinge-8-0[8]cite-ref-9[9]
Der Spitzwegerich wird vom Rostpilz Puccinia cynodontis mit Spermogonien und Aecidien befallen.cite-ref-10[10] Auch der Mehltau Podosphaera plantaginis befällt ihn häufig.cite-ref-11[11]
Taxonomie
Der Spitzwegerich wurde 1753 von Carl von LinnĂŠ in Species Plantarum Band 1 Seite 113 als Plantago lanceolata erstbeschrieben. Plantago lanceolata L. hat die Synonyme: Plantago azorica Hochst., Plantago hungarica Waldst. & Kit., Plantago sphaerostachya Hegetschw., Plantago lanceolata var. sphaerostachya Mert. & W.D.J. Koch.cite-ref-euro-med-12-0[12]
Volksnamen und Etymologie
Der Spitzwegerich wird auch Heilwegerich,cite-ref-j-nicke-13-0[13] Wundwegerich,cite-ref-j-nicke-13-1[13] SpieĂkraut, Lungenblattl oder Schlangenzunge genannt. Die im Mittelalter auch âkleiner Wegerichâ genannte Pflanze trug damals auch die Bezeichnung plantago minorcite-ref-14[14] (lateinisch).
Das Wort âWegerichâ bzw. âSpitzwegerichâ (von mittelhochdeutsch wĂŤgerÄŤch bzw. â in Bezug auf die schmal zulaufenden Blättercite-ref-15[15] â spitzig wĂŤgerÄŤchcite-ref-16[16]) entstammt dem Althochdeutschen (von wega, âWegâ, und rÄŤh, âKĂśnigâ, als Bestandteil von Männernamen wie Friedrich und Dietrichcite-ref-17[17]).
Verwendung als essbare Wildpflanze
Der Spitzwegerich ist eine essbare Wildpflanze, von der man die Blätter, Blßtenknospen, Samen und Wurzeln nutzen kann. Die Blätter, Blßtenknospen und Samen kann man auch roh essen. Die Pflanze und vor allem die Blßtenknospen schmecken champignonartig.cite-ref-fleischhauer-18-0[18]
Die Blätter kann man von April bis Juni z. B. als Salat oder Gemßse zubereiten. Auf Grund der starken Längsfasern sollten die Blätter bei der Zubereitung quer zu den Längsfasern kleingeschnitten werden. Von Mai bis Juli kann man die zarten Blßtenknospen roh, z. B. in Salaten, nutzen oder auch dßnsten. Sie lassen sich auch in Essigwasser einlegen.cite-ref-fleischhauer-18-1[18]
Ernten und sammeln kann man ihn am besten von Anfang April bis Ende August. Man findet ihn oft auf Wiesen, an Ăckern und Feldrändern, an den Wald angrenzenden Wegen und auch in Ortschaften.
In Mangelzeiten nach den beiden Weltkriegen und während der Weltwirtschaftskrise war Salat aus wildwachsendem Spitzwegerich ein beliebter Ersatz fßr unerschwingliches oder nicht erhältliches Blattgemßse.
Verwendung als Heilpflanze
Inhaltsstoffe
⢠Schleimstoffe:cite-ref-br-utigam-22-0[22]cite-ref-j-nicke-13-8[13] Glucomannane, Arabinogalactane, Rhamnogalacturonan
⢠Gerbstoffe
⢠Saponine
⢠Kieselsäure
Medizinische Wirkungen und Anwendungsgebiete
Spitzwegerich wirkt reizmildernd, adstringierend und antibakteriell. Bei innerer Anwendung wirkt er gegen Katarrhe der Luftwege und entzĂźndliche Veränderungen der Mund- und Rachenschleimhaut. ĂuĂerlich kann er gegen entzĂźndliche Veränderungen der Haut eingesetzt werden. Die Wirkung des Spitzwegerichkrauts, bestehend aus den zur BlĂźtezeit geernteten, frischen oder getrockneten oberirdischen Teilen, wurde bei diesen Indikationen 1985 von der Kommission E positiv bewertet.cite-ref-kommission-e-plantaginis-lanceolatae-herba-23-0[23]cite-ref-24[24]
Die Wirksamkeit der Droge ist hier sowohl auf die einhĂźllende Wirkung der Schleimstoffe als auch auf die adstringierende Wirkung der Gerbstoffe sowie auf die antibakterielle und damit entzĂźndungshemmende Wirkung der Abbauprodukte der Iridoide (Aucubigenin entsteht durch Hydrolyse mittels Beta-Glucosidasen aus Aucubin) zurĂźckzufĂźhren. Zudem kann sie äuĂerlich bei entzĂźndlichen Veränderungen der Haut verwendet werden, sowohl bei exogen verursachten wie beispielsweise durch Insektenstiche oder dem Kontakt mit Brennnesseln als auch bei endogenen Hautkrankheiten wie zum Beispiel bei Neurodermitis oder auch bei sonstigen EntzĂźndungen oder kleinen offenen Wunden.cite-ref-25[25]cite-ref-j-nicke-13-9[13]cite-ref-26[26]cite-ref-27[27] Nach Insektenstichen ist der Spitzwegerich, zerrieben und auf den Stich aufgetragen, kĂźhlend respektive schmerzlindernd.
Zubereitungen
Tee
Zur Herstellung von Teeaufgßssen werden die Blätter oder das ganze Kraut gesammelt und getrocknet. Die Drogenbezeichnung lautet fßr die Blätter Folia Plantaginis lanceolatae und fßr das Kraut Herba Plantaginis lanceolatae. Damit sich die Blätter nicht schwarz verfärben, sollten sie vorsichtig und ohne Druck geschnitten sowie rasch getrocknet werden.cite-ref-beiser-28-0[28]
Die Dosierung bei der Zubereitung von Tee beträgt 1,5 g (1,5 TL) auf 150 ml Wasser. Der Tee soll frisch zubereitet werden, 10â15 min ziehen und mehrmals täglich getrunken werden (jeweils 1 Tasse).cite-ref-j-nicke-13-10[13]
Presssaft
Fßr Spitzwegerichsaft presst man die frischen Blätter aus. Da das natßrliche Antibiotikum bei der Teezubereitung oft zerstÜrt wird, ist es sicherer, Presssäfte einzusetzen.
Sirup
Eine Rezeptur aus dem Üsterreichischen Arzneibuch fßr Spitzwegerichsirup (Plantaginis sirupus) gibt an, die Spitzwegerichblätter (Plantaginis lanceolatae folium) in gereinigtem Wasser (Aqua purificata, d. h. deionisiertes Wasser) zu kochen, zu filtern und den entstandenen wässrigen Auszug mit der 1,6-fachen Menge Zucker (Saccharose, Saccharum) zu Sirup zu vermischen. Der Sirup wird mit 1 % Alkohol, Methylparaben und Propylparaben konserviert.cite-ref-29[29]
Der Bedarf der pharmazeutischen Industrie an der Droge wird hauptsächlich aus Kulturen gedeckt. Die pulverisierte Droge ist auch Bestandteil von Salben.
Sonstiges
Der Spitzwegerich wurde im Herbst 2013 von Wissenschaftlern der Universität WĂźrzburg (âStudienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkundeâ) mit Verweis auf die in ihm enthaltenen antibakteriellen und blutstillenden Wirkstoffe zur âArzneipflanze des Jahres 2014â gewählt.cite-ref-30[30]
Spitzwegerich produziert biologische Nitrifikationsinhibitoren â Stoffe, welche die Umwandlung von Ammoniumstickstoff in Nitrat verlangsamen. Dadurch bleibt der Stickstoff länger pflanzenverfĂźgbar und das Risiko der Auswaschung und Lachgasemissionen wird minimiert. Es wird untersucht, inwiefern diese Pflanze als Untersaat beim Anbau von Nutzpflanzen wie Mais helfen kann, Stickstoffverluste zu reduzieren.cite-ref-31[31]
Weitere Illustrationen
Siehe auch
Literatur
⢠T. G. Tutin, V. H. Heywood u. a.: Flora Europaea, Plantaginaceae to Compositae (and Rubiaceae). Band 4. Cambridge University Press, 1976, ISBN 0-521-08717-1, S. 42.
Weblinks
Commons
: Spitz-Wegerich (
Plantago lanceolata
)
â Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Spitzwegerich
â Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
⢠Spitzwegerich. auf FloraWeb.de
⢠Spitzwegerich. In: BiolFlor, der Datenbank biologisch-Ükologischer Merkmale der Flora von Deutschland.
⢠Steckbrief und Verbreitungskarte fßr Bayern. In: Botanischer Informationsknoten Bayerns.
⢠Thomas Meyer: Wegerich Datenblatt mit Bestimmungsschlßssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben)
⢠Pharmakologie (Memento vom 13. April 2008 im Internet Archive)
⢠Verwendung in der Volksmedizin.
⢠Verwendung als Wildkraut im Smoothie.
Einzelnachweise
cite-note-tafel-61-11. Spitzwegerich: a) gesamte Pflanze, b) BlĂźtenstand, c) BlĂźte, d) Kelch, e) Staubbeutel, f) Fruchtknoten, g) Frucht mit Deckblatt, h) wie g) nach Entfernung der Krone, i) aufspringende Frucht, k) aufgesprungene Frucht, lâm) Samen; vgl. J. Sturms Flora von Deutschland, 1903, Band 11, S. 196â198, Tafel 61 Digitalisat
cite-note-22. â Plantago lanceolata L. Ribwort Plantain. florabase.dbca.wa.gov.au, abgerufen am 25. Juli 2024 (englisch).
cite-note-flora-europea-33. â T. G. Tutin, V. H. Heywood u. a.: Flora Europaea, Plantaginaceae to Compositae (and Rubiaceae), Volume 4, Cambridge Univ. Press, 1976, S. 42, ISBN 0-521-08717-1
cite-note-infoflora-44. â Plantago lanceolata L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am 14. Oktober 2025.
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cite-note-d-rr-und-lippert-77. â Erhard DĂśrr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 498.
cite-note-schmetterlinge-88. â Schmetterlingsfutterpflanze Plantago lanceolata L., Spitz-Wegerich In: FloraWeb
cite-note-99. â Spitzwegerich: Expertenwissen fĂźr den Garten. Abgerufen am 20. Januar 2023.
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cite-note-1616. â JĂźrgen Martin: Die âUlmer Wundarzneiâ. Einleitung â Text â Glossar zu einem Denkmal deutscher Fachprosa des 15. Jahrhunderts. KĂśnigshausen & Neumann, WĂźrzburg 1991 (= WĂźrzburger medizinhistorische Forschungen. Band 52), ISBN 3-88479-801-4 (zugleich Medizinische Dissertation WĂźrzburg 1990), S. 190.
cite-note-1717. â Siehe hierzu Friedrich Kluge, Alfred GĂśtze: Etymologisches WĂśrterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Hrsg. von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck (â21. unveränderte Auflageâ) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 843.
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